Markt Murnau a.Staffelsee

Gemeindeportrait

Basisdaten

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Garmisch-Partenkirchen

Höhe: 688 m. ü. NHN
Fläche: 38,05 km2
Einwohner: 12.474 (Stand: Dezember 2019)
Bevölkerungsdichte: 327 Einwohner je km2

Postleitzahl: 82418
Vorwahl: +49 (0)8841

Murnau a. Staffelsee historisch: Marktgeschichte im Überblick

Murnau wird erstmals um 1150 in schriftlich erwähnt. Die Wiege des Ortes lag möglicherweise auf dem Boden des alten klösterlichen Maierhofs am Staffelsee und gehörte seit Beginn der schriftlichen Überlieferung zum Besitz des Augsburger Hochstifts. 1316 bestand Murnau a. Staffelsee aus mindestens 15 Anwesen sowie der noch bis heute erhaltenen Burg. Kaiser Ludwig der Bayer kaufte 1332 den Markt und übertrug ihn mit all seinen Einwohnern und Rechten dem von ihm gegründeten Kloster Ettal. So wohnte Ettals Landrichter bzw. -pfleger – Herr über Leben und Tod – im Schloss des Marktes. Obwohl Murnau auf ältere Privilegien verweisen konnte und auch immer wieder auf seine Eigenständigkeit pochte, blieb Ettal bis zur Säkularisation (1803) Grund- und Lehensherr Murnaus. Das im 14. Jahrhundert gegründete Landgericht wurde nach Aufhebung des Kloster Ettals ebenfalls aufgelöst und zu großen Teilen dem Gericht Weilheim zugeteilt.

Von Beginn an war Murnau a. Staffelsee ein Straßenmarkt, ökonomisch und strategisch gut an der Rottstraße zwischen Weilheim und Mittenwald gelegen. Die Verleihung von Marktprivilegien erfolgte so 1329 durch Ludwig den Bayern. Und damit bildete Murnau als einziger Marktort im Gebiet des Klostergerichts Ettal das wirtschaftliche Zentrum. Jährlich fanden mit 1722 vier Jahrmärkte statt. Die Menschen lebten von Fern- und Personenverkehr, von lokalem Handel und geringer Landwirtschaft. Die Hinterglasmalerei sowie die Federblumenherstellung waren zentrale Industriezweige der Region. Bekannt wurden ihre Künstler auch über die regionalen Grenzen hinaus.

Wie alle altbayerischen Märkte blieb auch Murnau von Kriegen, Pest und Feuersbrünsten nicht verschont: Zwischen 1619 und 1851 brannte die Gemeinde viermal nahezu vollständig nieder. Im Dreißigjährigen Krieg fielen wiederholt schwedische und französische Truppen, im Spanischen Erbfolgekrieg Regimente aus Tirol ein. Und auch die Pest forderte zahlreiche Todesopfer. Damit zählt diese Periode zu den schrecklichsten der Marktgeschichte.

Der Verlust des Landgerichts und die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege stürzten Murnau nach 1800 in eine wirtschaftliche Krise, die bis in die zweite Hälfte desselben Jahrhunderts andauern sollte. Erst als die Gemeinde Mitte des 19. Jahrhunderts als touristische Destination entdeckt und 1879 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Murnau entwickelte sich zu einem beliebten Sommerfrische- und Kurort, der auch sein äußeres Erscheinungsbild an die Bedürfnisse seiner Gäste anglich: Alleen und Spazierwege wurden angelegt, ein Strandbad eingerichtet und Villen erbaut. Insbesondere der Münchener Architekt Emanuel von Seidl hinterließ dabei seine Handschrift: farbenfrohe Fassaden im Ortskern, zahlreiche herrschaftliche Landhäuser und eine weitläufige Parkanlage mit Blick auf das Murnauer Moos und die Voralpen.

Kunstgeschichte schrieb Murnau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich ein Kreis junger Künstlerinnen und Künstler zusammenfand: Sie brachen mit den herkömmlichen Darstellungen und revolutionierten die Kunst. Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk, Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky besuchten Gabriele Münter und Wassily Kandinsky regelmäßig im sog. Russenhaus, in der Kottmüllerallee. Ihr reger Gedankenaustausch fruchtete in ihrer künstlerischen Zusammenarbeit. Kandinsky veröffentlichte 1911 seine theoretischen Schriften „Über das Geistige in der Kunst, und gemeinsam mit Marc 1912 den Almanach „Der Blaue Reiter".

Literarische Inspiration fand in den 1920er Jahren Ödön von Horváth in Murnau, der 1933 den Ort auf Geheiß der Nationalsozialisten verließ. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurden zwei Kasernen errichtet. Die heutige Werdenfels Kaserne diente von 1939 bis Kriegsende als Gefangenenlanger für mehr als 5.000 polnische Offiziere. Trotz dieser humanitären Katastrophe, der darauffolgenden Inflation und Weltwirtschaftskrise kam es nach 1945 allmählich zu einem wirtschaftlichen Aufschwung: In Murnau wurde gebaut. Es entstanden zahlreiche Neubauten, Schulgebäude, ein Kurgästehaus, ein Feuerwehrhaus sowie eine Kläranlage. 1972 löste sich Murnau von Weilheim und wurde Garmisch-Partenkirchen zugeordnet und erhielt eine Anschlussstelle an das Autobahnnetz. In den darauffolgenden Jahren folgten die Eingemeindungen von Weindorf und Hechendorf sowie die Grenzbereinigung mit Seehausen, die Murnau erstmals Grund am Ufer des Staffelsees zusprach.

1995 wurde die Kemmel-Kaserne aufgelöst und ist heute als sog. Kemmel-Park ein attraktives Gewerbegebiet. Seit 1998 verläuft der Verkehr mit Hilfe einer Entlastungsstraße fernab der denkmalgeschützten Fußgängerzone. Das Bahnhofsgebäude wurde saniert und der Bau einer neuen Realschule realisiert. Heute besitzt Murnau rund 11.000 Einwohner, etwa achtmal so viele wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Bindung mit dem Kloster Ettal gewaltsam gelöst wurde. Nun gilt es, das Erbe der Vergangenheit zu bewahren, Bestehendes zu pflegen und Neues zu gestalten.

Der Lindwurm, Murnaus Wappentier

Markt Murnau a.Staffelsee

Markt Murnau a.Staffelsee

„In Silber ein linkshin gewendeter, widerschauender grüner Lindwurm", so lautete die zeitgenössische Beschreibung von Otto Hupp (1859–1949). Der Experte für Heraldik überarbeitete zwischen 1894 und 1912 alle Ortswappen im Königreich Bayern, darunter auch das von Murnau a. Staffelsee.

Wie kam nun der Lindwurm in das Murnauer Wappen? Beginnen wir mit einer Begriffsbestimmung: „LINDWURM, m. drache, ahd. lintwurm, linduurm, mhd. lintwurm, eine tautologische Zusammensetzung, in welcher das schon im ahd. sehr seltene einfache lint schlange durch wurm, in eben derselben bedeutung erklärt wird" (Jacob / Wilhelm Grimm 1885). Das Wort war im 17. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Später wurde es in poetischer Sprache wieder aufgenommen, allerdings zunächst ohne Kenntnis der eigentlichen Bedeutung. Dies führte in Christoph Martin Wielands Epos „Oberon" (1780) zu der Dichtung:

„(der bräutigam ist) ein prinz, den alle welt
der schönen Rezia vollkommen würdig hält,
und doch – gesagt im engesten vertrauen –
sie liesze lieber sich mit einem lindwurm trauen."

Bei Ludwig Uhland, der sich mit mittelhochdeutscher Dichtung beschäftigte, findet der Lindwurm im Zusammenhang mit dem Hl. Georg Erwähnung:

„wie er (St. Georg) in des lindwurms rachen
Mächtig sticht den heiligen schaft."

Zahlreiche Sagen ranken sich um das Wappentier und die Herkunft des Namens Murnaus. Es ist wahrscheinlich, dass das Wappenbild auf eine sagenhafte Deutung des Ortsnamens als "Wurmau" zurückgeht. Einen hübschen Erklärungsversuch lieferte Mitte des 18. Jahrhunderts Franz Sales Gailler, Dekan in Raisting und Verfasser der „Vindelicia Sacra":

„Wurmsau sei, wie man sagt, der erste Name des Ortes gewesen, als ob man es als Au der Würmer bezeichnen wollte. Daher trägt es einen größeren geflügelten Lindwurm oder Drachen im Wappen. Da der Name aber gewissermaßen unfein und etwas schwer auszusprechen war, entstand, wie so oft, durch den Volksmund das weichklingende Murnau, nachdem es nacheinander Murnoue oder Murnawa ausgesprochen worden war."

Max Dingler beschäftigte sich in seinem Ortsführer von 1910 ebenfalls mit der Namensherkunft:

„Über die Entstehung des Wortes Murnau hört man zumeist zweierlei Deutungen. Nach der einen hieß Murnau früher Wurmau oder Wurmesau, von einem Lintwurm her, der in der Gegend hauste und zu Kaiser Ludwigs Zeit erlegt wurde. Nach der andern stammt der Name von dem großen Moor und ist zusammengesetzt aus Moor und Au. Das mit dem Lintwurm ist eine sehr fragliche Sache, denn einerseits stand Murnau lange vor Kaiser Ludwig, andererseits heißt es bereits in den allerältesten Urkunden Murninsowe, Murnouve, Murnawa, nie Wurmesau, wie der Dekan Gailer von Raisting in seinem schon erwähnten Buche meint."

Damit stimmt Dingler mit der heute vorherrschenden Meinung überein, die eine Ableitung von „muorin ouwe" (sumpfiges, morastiges Wiesenland) annimmt.

Die Flurbezeichnung „Drachenstich" (in der Nähe der Kirche St. Georg am Rande des Murnauer Mooses) könnte auf eine schon sehr alte Drachensage hindeuten. Ob diese allerdings tatsächlich bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht und im Zusammenhang mit dem Hl. Magnus steht, der im Drachenkampf in Kempten und Füssen in der Sage erscheint, bleibt offen. Die Murnauer Drachensage wird in verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Schauplätzen und Personen wieder gegeben. Professor Sepp hat eine Variante „Der Drachenkampf zu Murnau" in seine Sammlung von 1876 aufgenommen.

Max Dingler erzählt die Sage vom schrecklichen Drachen auf der Insel Wörth, der durch den Schusterbuben Georg unter Beistand eines Einsiedlers namens Magnus mit einer mit ungelöschtem Kalk gefüllten Kalbshaut überlistet wurde. „Vater Magnus nickte beifällig und konnte nicht umhin, sich und seinen jungen Freund mit ihren Schutzpatronen, den Drachentötern Magnus und Georg, zu vergleichen." In ähnlicher Form war diese Sage durch Elise Ris in den „Jugendblätter für Unterhaltung und Belehrung" von 1895 wieder gegeben worden – mit einer eindrucksvollen künstlerischen Umsetzung.

Viele frühe Stadt- und Marktsiegel sind sog. "redende" Wappen, die mit der tatsächlichen Bedeutung des Ortsnamens oft wenig zu tun haben. Wann der Lindwurm im Murnauer Wappen auftaucht, ist nicht sicher zu bestimmen. Das erste unbeschädigte Gemeindesiegel stammt aus dem Jahr 1374.

Das Siegel ist ein Rechts- und Beglaubigungsinstrument. Wann dem Markt Murnau das Recht der Siegelführung vom Landesherrn verliehen wurde, bleibt unklar, könnte aber im Zusammenhang mit der Privilegierung als Marktort stehen. Da diese Urkunde des Landesherrn (Herzog Ludwig der Bayer) offenbar bereits vor 1350 spurlos verschwand, bleibt bis heute das genaue Datum der Marktrechtsverleihung im Dunkeln. Das am Murnauer Rathaus genannte Jahr 1322 ist denkbar, kann aber nicht belegt werden. Die erste Nennung Murnaus als „marcht" erfolgte 1329 im Hausvertrag von Pavia.

Ein erstes unbeschädigtes Gemeindesiegel – es zeigt den Lindwurm – stammt von 1374: Der Markt Murnau siegelte zusammen mit zahlreichen anderen Märkten und Städten in Oberbayern am 25. November 1374 den sog. Grossen Brandbrief (Freibrief), der verschiedene Anordnungen zur Wahrung des Landfriedens beinhaltet. Weitere Siegel des Marktes Murnau aus dem 14. Jahrhundert sind überliefert auf einer Urkunde von 1390 des Klosters Steingaden sowie am Freibrief von 1392.

Die Tatsache, dass der Markt Murnau die beiden Freibriefe von 1374 und 1392 mit siegelte, ist für das Selbstverständnis des Ortes in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts interessant: In den Jahren nach dem Tod von Kaiser Ludwig dem Bayer waren die Rechte – und hier insbesondere im Hinblick auf das Kloster Ettal – umstritten. Noch im 18. Jahrhundert fand die Bezeichnung „Wir Burgermeister, und Rath des kaiserl. gefreyten Markts Murnau" auf Briefköpfen Verwendung – die Streitigkeiten mit dem Kloster Ettal als Grund- und Lehensherr zogen sich durch die Jahrhunderte.

Murnau steht nicht allein mit dem Lindwurm im Wappen: Die Städte Klagenfurt und Ljubljana (Laibach) führen ihn ebenfalls. Das Wappen des niederbayerischen Marktes Wurmannsquick (Landkreis Rottal-Inn) zeigt ein zu Murnau fast identisches Wappentier, unterschieden nur durch die Blickrichtung. Und natürlich wurde der Lindwurm vielfach zum Werbeträger: Ein besonders hübsches Exemplar ziert den Bierfilzl der traditionsreichen ehemaligen Pantl-Brauerei in Murnau, die 1979 ihre Produktion einstellte.

Auszug aus: Marion Hruschka: Der Lindwurm – das Murnauer Wappentier, in: 1911-Kandinskys Reiter für den Almanach. Katalog zur Ausstellung im Schloßmuseum Murnau, hgg. vom Schloßmuseum des Marktes Murnau, Rosenheim 2011, 42-50.

 

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