Zeitzeugen

Zwischen 1997 und 2009 realisierte das Marktarchiv Murnau in Kooperation mit dem Regisseur Fritz Karl Stumpf audiovisuelle Dokumentationen über das Leben mehrerer Persönlichkeiten, die besonders mit Murnau a. Staffelsee verbunden sind und die Gemeinde durch ihr Wirken prägten. Das Projekt zeigt Menschen aus verschiedenen Bereichen der lokalen Historie des 20. und 21. Jahrhunderts – Wirtschaft, Kunst, Musik, Religion, Landwirtschaft und Tourismus – und präsentiert lebendige Geschichte, sog. „oral history". Die nachfolgenden Sequenzen geben einen Einblick in das Wirken von Bürgerinnen und Bürgern im Kontext der lokalen Geschichte.

Unterstützt wurde das Projekt „Zeitzeugen" durch den Historischen Verein Murnau e.V. und die Vereinigten Sparkassen Weilheim.

Ludwig Betzmeir (1926-2007), Hinterglasmaler

Der gebürtige Murnauer Ludwig Betzmeir, von Beruf Maler und Lackierer, engagierte sich für mehrere örtliche Vereine. Bei den Murnauer Schäfflern wirkte er als Tänzer mit und brachte sich über 30 Jahre als zweiter Vorsitzender ein. Der Verein verdankt ihm akribisch zusammengestellte Chroniken. Einen Teil seiner Freizeit widmete Ludwig Betzmeir seiner großen Leidenschaft, der Hinterglasmalerei, die in Murnau eine lange Tradition hat. Er nahm über Jahrzehnte hinweg an den Ausstellungen der Murnauer Hinterglasmaler teil.

Mutz (Adolph) Böhm (1926), Komponist

Böhm, dessen Mutter aus Hechendorf stammte, flüchtete mit seiner Familie 1933 nach Paris. Seit 1984 ist Murnau sein Lebensmittelpunkt. Er machte sich einen Namen als Pianist und Komponist. Zu seinen Werken zählen die Vertonungen von rund 400 Gedichten, u. a. von Joseph von Eichendorff, Hermann Hesse und Manfred Kyber. Außerdem engagiert sich Adolph Böhm für den Tierschutz. 2006 wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Ernst Echter (1933), Geschäftsmann

Ernst Echter stieg 1958 in das Familienunternehmen ein, das 1897 als „Volks-Bazar" gegründet wurde. Er leitete das Modehaus bis zum Jahr 2000 in dritter Generation. Er traf zukunftsweisende Entscheidungen durch den mehrfachen Umbau bzw. die Erweiterung des Murnauer Standortes sowie die Einrichtung eines weiteren Geschäftes in Weilheim 1969. Ernst Echter, der sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr engagierte, erlebte als 11-Jähriger den Einmarsch der Amerikaner in Murnau.

Helmut Enemoser (1942), Pfarrer i.R.

Der gebürtige Kaufbeurer kam 1990 als Pfarrer nach Murnau und wirkte hier bis zu seinem Ruhestand im Juli 2011. Helmut Enemoser prägte durch seine Offenheit, Menschlichkeit und seinen Humor das kirchliche Leben im Ort. Als verständnisvoller Seelsorger und kritischer Gesprächspartner war er sehr geschätzt. Unter der Überschrift „Der herzliche Hirt' in Lederhos'n" widmete ihm das Murnauer Tagblatt am 8. Juli 2011 einen ausführlichen Artikel zum Abschied. Der begeisterte Bergsteiger verbringt seinen Ruhestand in Irsee.

Christa und Anton Erl, Geschäftsinhaber

Die Anfänge der 1899 gegründeten Bäckerei Meister&Erl liegen in Murnaus Einsiedelweg. Christa und Anton Erl übernahmen den Betrieb 1964 in dritter Generation. Der technische Fortschritt hielt Einzug und führte zu entsprechenden Modernisierungen und Veränderungen im Arbeitsablauf sowie im Sortiment. Mit der Errichtung eines Tagescafés 1968 im Obermarkt expandierte die Bäckerei erfolgreich. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Arbeitsaufteilung in einem Familienbetrieb.

Hanns R. Hummelsheim (1916-1999), Unternehmer

Die Firma Hummelsheim, gegründet 1910 für die Herstellung von Bühnenausstattung, hatte seit 1935 ihren Sitz in Murnau. Hanns R. Hummelsheim baute sie nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem bedeutenden Unternehmen aus, das in den 1960er Jahren über sechs Zweigwerke verfügte. Die „Hummel-Marke" war ein Inbegriff für solide Qualität in den Bereichen Damen- und insbesondere Kinderbekleidung. Die Firma besteht seit 2002 nicht mehr. Hanns R. Hummelsheim unterstützte auch Einrichtungen und Vereine in Murnau.

Andreas Karg (1921-2004), Centa Karg (1917-2011), Firmeninhaber

Die Weißbierbrauerei Karg, gegründet 1899 und seit 1913 in Familienbesitz, ist weit über Murnau hinaus bekannt. Andreas und Centa Karg sowie ihr Neffe Franz Schuberth berichten über Umbauten, Veränderungen im Arbeitsablauf durch Automatisierung, Spezialisierung im Sortiment und die Herausforderungen eines Familienbetriebs. Zu den persönlichen Erinnerungen von Andreas und Centa Karg gehört insbesondere die Geschichte Murnaus in den 1930erJahren, während des Zweiten Weltkriegs und nach 1945.

Rosa Maria Schalch (1931), Theaterspielerin

Nach dem Schulbesuch in Murnau arbeitete Rosa Maria Schalch in Weilheim und dann in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau. Nach der Heirat kümmerte sie sich um ihre Familie. Von 1949 bis 2004 wirkte sie als Laienschauspielerin in rund 300 Aufführungen des Original Murnauer Bauerntheaters mit. Gerne verkörperte sie „böse Rollen". Unvergessen ist beispielsweise ihr Auftritt als Großmutter des Teufels 1999 in dem Stück „Der rote Rucksack" von Max Dingler. Rosa Maria Schalchs Herz schlägt darüber hinaus für die sog. „Alte Tracht", deren Bestandteile sie in- und auswendig kennt.

Jakob Wolf (1934), Landwirt

Jakob Wolf wuchs im Burggraben auf, wo seine Vorfahren eine Schuhmacherei (Hausname „Streidlschuster") und Landwirtschaft betrieben. Er führte die Landwirtschaft fort und erlebte gravierende Veränderungen in diesem Sektor, z. B. durch den Einsatz von Maschinen. Eine wichtige Rolle spielte auch der Torfabbau zur Gewinnung von Heizmaterial. Ehrenamtlich engagierte sich Jakob Wolf als Murnauer Gemeinderat und Flurschütz. Zu seinen persönlichen Erinnerungen zählen der Alltag in der NS-Zeit sowie in den Nachkriegsjahren.

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