Naturschutzgebiet

© Martin Doll, © Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), Ulli Klein, Claus Biegert

Ingeborg Haeckel, eine Kämpferin mit Sachverstand

„Es gibt Situationen, da trägt jedes Quäntchen Engagement zu einem Wandel bei, und jedes uninteressierte Stillhalten macht ihn ein bisschen mehr unmöglich."

Die Rettung und der Schutzstatus des Murnauer Mooses sind vor allem einer Frau zu verdanken: der „Mooshex" Ingeborg Haeckel. Die Biologin und langjährige Leiterin des heutigen Staffelsee-Gymnasiums schuf gemeinsam mit ihren Mitstreitern die Voraussetzungen für das heutige Naturschutzgebiet. Es war ein vorbildhaftes Großprojekt des Naturschutzbundes, das das Murnauer Moos zusammen mit den Loisachmooren, Staffelseemooren und dem Ostermoos langfristig und nachhaltig schützen sollte – bis heute.

In Großvaters Fußstapfen

Die Enkelin des namhaften Zoologen und Naturphilosophen Ernst Haeckel (1834-1919) kam am 8. Januar 1903 in Sonthofen zur Welt. Ihr Großvater war ihr immer ein Vorbild gewesen, auch wenn dieser ihre naturwissenschaftliche Laufbahn nicht mehr miterleben sollte: Aus ihrem Wunsch, nach dem Abitur als Naturforscherin zu einer Expeditionsreisen aufzubrechen, wurde aufgrund der finanziellen Not ihrer Eltern nach dem Ersten Weltkrieg nichts. Ein Stipendium ermöglichte ihr 1924 das Studium der Botanik, Chemie und Erdkunde sowie später auch der Zoologie und Geologie. Haeckel promovierte bei Karl von Goebel, dem damaligen Ordinarius für Botanik in München und Direktor des Botanischen Gartens. Anschließend legte sie das Staatsexamen für das Höhere Lehramt in Bayern ab.

Eine schulische Karriere

Zunächst arbeitete Ingeborg Haeckel als Wissenschaftlerin am Institut in Göttingen. Doch als für sie im Alter von 36 Jahren noch immer keine Aussicht auf eine feste Anstellung in der Forschung bestand, sattelte sie um: 1939 kam sie als Studienassistentin für Biologie, Chemie und Erdkunde an die private Höhere Mädchenschule nach Murnau, um wenig später zur Leiterin der Schule ernannt zu werden. Vor allem der Naturunterricht lag ihr am Herzen: „Die Möglichkeit, junge Menschen für die Natur und ihre Lebewesen zu begeistern, sie zu gründlicher selbstständiger Beobachtung am lebenden Objekt anzuleiten und die Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und Umwelt darzulegen, machten mir bald sehr viel Freude." Und als Direktorin stand es ihr frei, den Unterricht spontan ins Freie, ins Murnauer Moos, zu verlegen. Sie war eine Umweltpädagogin der ersten Stunde.

Im Kampf für die Natur

Mit ihrem Umzug nach Murnau am Staffelsee trat sie auch dem Bund Naturschutz in Bayern bei. Auf naturkundlichen Wanderungen mit dem damals in Murnau ansässigen Münchner Zoologieprofessor Max Dingler (1883-1961) lernte Haeckel die Schönheit und Einzigartigkeit dieses ursprünglichen Lebensraums kennen. Aber auch die Gefahren, die diese Landschaft bedrohten, blieben ihr nicht verborgen: Torf- und Gesteinsabbau, Entwässerungsmaßnahmen und Abholzung.
Dinglers erster Versuch, das Moos als Naturschutzgebiet auszuweisen, scheiterten. Haeckel ließ jedoch nicht locker und erreichte 1964 die Ausweisung des Murnauer Mooses als Landschaftsschutzgebiet. Erst 1980 sollte es schließlich zum Naturschutzgebiet erklärt werden – das Ergebnis ihres hartnäckigen ehrenamtlichen Engagements. Weitere Erfolge waren die Verhinderung der Müllverbrennungsanlage bei Eschenlohe, der Stopp des Gesteinsabbaus an den Köcheln und der Ankauf zahlreicher Grundstücke für den Naturschutz.

Tatkraft und Mut

Ingeborg Haeckel war eine Kämpferin mit Sachverstand und Menschenkenntnis. Denn sie wurde erst aktiv, nachdem sie sich das nötige Wissen angeeignet hatte. So besuchte sie Tagungen über Abfallwirtschaft, besichtigte Müllverbrennungsanlagen und las zahlreiche themenbezogene Fachartikel. So war sie auch trotz konträrer Sichtweisen bei vielen Gegnern geschätzt.
Bis ins hohe Alter von 89 Jahren machte die quirlige Persönlichkeit auf die Naturschönheiten des Mooses und seine vielfältigen Gefährdungen aufmerksam. Ihre Exkursionen durch das Moos waren legendär – zunächst als Schulleiterin für ihre Zöglinge, später nach ihrer Pensionierung für Laien und Wissenschaftler. Ein schwerer Herzinfarkt im Frühjahr 1993 zwang sie schließlich, die Exkursionen aufzugeben. Trotzdem besuchte sie das Moor auch weiterhin, bis zwei Tage vor ihrem Tod 1994.

Für ihren Einsatz in Murnau und seinem Moos wurde Dr. Ingeborg Haeckel mehrfach ausgezeichnet: mit dem Bayerischen Verdienstorden (1974), dem Naturschutzpreis des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (1978) und als Ehrenbürgerin der Marktgemeinde Murnau (1988). Der damalige Bürgermeister Murnaus, Anton Schretter, übergab ihr in diesem Rahmen ein Waldgrundstück am Langen Köcheln, ihrem Schicksalsberg, wie sie ihn nannte.

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