Murnau am Staffelsee

Übersichtskarte

Kartenansicht drucken
Die Karte wird neu aufgebaut

Bitte warten Sie während die Karte neu aufgebaut wird

Schriftgröße:

Inhaltsbereich: Marianne von Werefkin

Marianne von Werefkin
Bildbeschreibung: Marianne von Werefkin

1860
Am 29. August (Julianischer Kalender)/11. September (Gregorianischer Kalender) wird Marianna Wladimirowna Werefkina in Tula, der Hauptstadt des gleichnamigen russischen Gouvernements, geboren.
Ihr Vater, Wladimir V. Werefkin, entstammt dem Moskauer Uradel und ist zu jener Zeit Kommandeur des Ekaterinenburgischen Regiments in Tula.
Die Mutter, Elisabeth, geb. Daragan, gehört einer alten Kosakenfürstenfamilie an. Marianne hat zwei jüngere Brüder, Peter und Wsewolod.

1868
Werefkin besucht in Wilna (Litauen) das Marieninstitut. Ihre zeichnerische Begabung wird entdeckt.

1880
Werefkin wird Privatschülerin von Ilja Repin, dem bedeutendsten Maler des russischen Realismus.

1886
Werefkins Vater, mittlerweile General, wird zum Kommandanten der Peter- und Paulsfestung in St. Petersburg ernannt.

1888
Werefkin erleidet einen Unfall auf der Jagd, sie durchschießt sich versehentlich die rechte Hand, ihre Malerhand.

1892
Beginn der Freundschaft mit Alexej Jawlensky, den sie als anerkannte und erfolgreiche Malerin - sie hatte den Beinamen "Russischer Rembrandt" - zu bilden und fördern beschließt.

1893
Oktober: Werefkin und Jawlensky arbeiten in Repins Atelier, während dieser im Ausland ist.

1896
Nach dem Tod ihres Vaters am 13. Januar, erhält Werefkin eine zaristische Pension von 7.000 Rubel (heute ca. 90.000 Euro). Werefkin zieht mit Jawlensky und dem neunjährigen Dienstmädchen Helene Nesnakomoff nach München. Sie unterbricht ihre Malerei zugunsten der künstlerischen Ausbildung von Jawlensky für nahezu ein Jahrzehnt.

1897
Werefkin reist mit Jawlensky, Grabar, Ažbe und Kardowsky und weiteren Künstlerfreunden nach Venedig.

1902
Andreas, der Sohn von Jawlensky und Helene, wird in Anspaki/Rußland geboren.

1903
Studienreise Werefkins mit Jawlensky nach Frankreich.
Jawlensky malt anschließend im Stil der Neoimpressionisten und van Goghs.

1905
Knapp einjähriger Aufenthalt mit Jawlensky in Frankreich. Daraufhin nimmt
Werefkin ihre Tätigkeit als Malerin wieder auf.

1907
Es entstehen die ersten expressionistischen Gemälde. Stilistisch folgt Werefkin der Flächenmalerei von Paul Gauguin, Louis Anquetin und den Nabis. Im Freundeskreis in München erhält sie den Beinamen "die Französin". Ikonologisch und motivisch lehnt sich Werefkin oftmals an Arbeiten von Edvard Munch an.

1908
Jawlensky wechselt nun auch seinen Malstil vom Neoimpressionismus zur Flächenmalerei. Gemeinsamer Malaufenthalt mit Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in Murnau, der zu einem entscheidenden Durchbruch expressiver Malerei führt.
In Werefkins Salon wird - zunächst ohne Kandinsky und Münter - geplant, einen Verein als Ausstellungs- und programmatisches Forum zu gründen.

1909
Jawlensky sieht sich nicht in der Lage, den Vorsitz einer Künstlervereinigung zu übernehmen. Daraufhin wird Kandinsky gebeten, die "Neue Künstlervereinigung München" (NKVM) zu organisieren und zu leiten. Eintragung der NKVM ins Münchner Vereinsregister am 22. März.
Werefkin und Jawlensky entdecken die Kunst der Japaner und sammeln japanische Holzschnitte, die deutlichen Einfluß auf beider künstlerisches Schaffen ausüben.

1910
Franz Marc wird Mitglied der NKVM. Insbesondere Werefkin verdankt er Einsichten, die seinen persönlichen Stil und seine Weiterentwicklung wesentlich beeinflussen.
Besuch von Elisabeth und August Macke bei Werefkin und Jawlensky Mitte November.

1911
Werefkin verbringt mit Jawlensky den Sommer in Prerow, Ahrenshoop und Zingst an der Ostsee. Oktober: zweiter Besuch von Elisabeth und August Macke bei Werefkin und Jawlensky. Am Ende des Jahres reist Werefkin mit Jawlensky nach Paris, wo sie das erste Mal Matisse besuchen.
Kandinsky, Münter und Marc verlassen am 3. Dezember die NKVM und bilden die Redaktion "Der Blaue Reiter", die den gleichnamigen Almanach herausgibt und vom 18.12.1911 - 1.1. 1912 eine erste eigene Ausstellung präsentiert.
Im Zenit des Expressionismus stellt Werefkin mit den Mitgliedern der NKVM und des "Blauen Reiter" zusammen mit den Künstlern der "Brücke" vom 18. November 1911 bis zum 31. Januar 1912 in der "Neuen Sezession" in Berlin aus.

1912
Anfang Dezember: Werefkin und Jawlensky verlassen ebenfalls die NKVM und beteiligen sich an der Ausstellung "Der Blaue Reiter" in der Galerie "Sturm" in Berlin, die von Herwarth Walden organisiert wird. 21.07.1912: Franz Marc will Werefkin und Jawlensky in die "bl. Reiter-Collektion" aufgenommen wissen.

1913
Else Lasker-Schüler bezeichnet Werefkin als "des blauen Reiterreiterin".
Diese beabsichtigt die endgültige Trennung von Jawlensky und reist nach Rußland.

1914
Im Juni besucht Jawlensky Werefkin in Litauen. Er kehrt ohne sie nach München zurück.
Ende Juli kehrt auch Werefkin nach Deutschland zurück, möglicherweise um ihren Haushalt aufzulösen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs emigrieren Werefkin und Jawlensky von München aus mit dem Dienstpersonal Maria und Helene Nesnakomoff und Andreas in die Schweiz. Zunächst wohnen sie in St. Prex bei Genf.
Vor Ende des Jahres bringt Cuno Amiet aus München das Gemälde "Straße in Auvers (Das Haus des Père Pilon)" von van Gogh, das gemeinsamer Besitz von Werefkin und Jawlensky ist, in die Schweiz.
Als Folge des Krieges wird Werefkins Pension um die Hälfte gekürzt.

1916
Jawlensky lernt Emmy Scheyer, eine wohlhabende junge Malerin, kennen.

1917
April: Werefkin und Jawlensky sind in Lugano, um Sacharoff bei der Inszenierung seiner Tänze zu unterstützen.
September/Oktober: Umzug nach Zürich. Durch die russische Oktoberrevolution verliert Werefkin ihre zaristische Pension. Jawlensky beginnt die Serien seiner "Mystischen Köpfe" und "Heilandsgesichte".

1918
März/April: Umzug nach Ascona am Lago Maggiore

1920
Mai/Juli: Auflösung der gemeinsamen Wohnung in München.
Im Sommer lernt Werefkin "Santo", ihren “Helfershelfer in der Kunst, wie auch im Leben” kennen, mit dem sie eine unverbrüchliche Freundschaft bis zu ihrem Tod verbindet. August: Jawlensky läßt in Berlin bei Gurlitt erste Reproduktionslithographien herstellen.

1921
Jawlensky schickt neben Gemälden und Zeichnungen 45 Aquarelle für eine Ausstellung nach Wiesbaden. Durch Vermittlung von Emmy Scheyer lernt Jawlensky am 9. Juni in Wiesbaden den Kunstsammler Heinrich Kirchhoff kennen und entschließt sich, in Wiesbaden zu bleiben.

1922
März: Werefkin, Helene und Andreas leben in Ascona.
Werefkin stiftet dem in Ascona neu gegründeten “Museo Comunale” ihre Bilder "La Famiglia", "Melodramma", "Schizzo di Ascona", außerdem "Casa Rossa"von Paul Klee, eine Skizze von Cuno Amiet und von Arthur Segal das Bild "La Famiglia".

1924
Werefkin ist Mitbegründerin der Asconeser Künstlergruppe "Großer Bär".
Jawlensky gründet am 31. März zusammen mit Feininger, Kandinsky, Klee und Scheyer "Die Blaue Vier". Oktober: Jawlenskys abstrakte Köpfe "sind ohne Locken jetzt"

1925
Das gemeinsame Bild "Straße in Auvers (Das Haus des Père Pilon)" von Vincent van Gogh wird am 26. Februar verkauft.
Juli/August: Werefkin reist mit "Santo" nach Italien. In der Neuen Zürcher Zeitung werden ihre Reflektionen unter dem Titel "Italienische Reise" abgedruckt.

1926
Werefkin begeistert Baron von der Heydt für den Monte Verità, den er später erwirbt.

1927
Über Werefkin erscheint der Roman "Das göttliche Gesicht" von Bruno Goetz.

1928
Werefkin schreibt und skizziert die "Ascona-Impressionen".
Sie lernt Carmen und Diego Hagmann kennen, die sie bis an ihr Lebensende immer wieder vor größter Not bewahren.

1935
Werefkins Herzleiden verschlimmert sich.

1936
Werefkin malt im Februar Plakate, um Geld zu verdienen.
Karl Im Obersteg bittet bei einem Sommer-Aufenthalt in Ascona Werefkin, Jawlensky zu verzeihen, daß er seinen Eid, sie nie zu verlassen, gebrochen hat. Werefkin löst Jawlensky von dem Eid, indem sie ihm mitteilen läßt, sie werde für ihn beten.

1937
Werefkins Freunde planen, die in München noch immer eingelagerten Vorkriegsbilder der Malerin in die Schweiz zu transportieren.

1938
Am 6. Februar stirbt Marianne Werefkin in Ascona und wird nach russisch-orthodoxem Ritus auf dem dortigen Friedhof beerdigt.

Text zu Lebenslauf:
Als Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky im August/September 1908 ihren legendären gemeinsamen Studienaufenthalt in Murnau verbrachten, entfaltete sich in Marianne von Werefkins Malerei eine neue Bildsprache, die zukunftsweisend für die Kunst des 20. Jahrhunderts sein würde.
Obwohl bisher von ihr keine persönlichen Äußerungen über diese Wochen bekannt geworden sind, wird in ihrer künstlerischen Arbeit, speziell in einer großen Zahl von Skizzenbuch-Motiven, ihre intensive Beschäftigung mit diesem Ort und in dieser Landschaft sichtbar. Bedeutsam dabei ist, daß sie schon früher als ihre Gefährten - spätestens in den beiden vorangegangenen Jahren - zu diesen neuen, wegweisenden bildnerischen Ausdrucksprinzipien gefunden hatte.
Im Laufe des Jahres 1905 war offenbar der Entschluß gereift, sich in Murnau, dauerhaft niederzulassen. Denn wie aus dem Brief eines Münchner Architekten vom 1. September 1905 an Jawlensky zu ersehen ist, hatte dieser bereits damals den Architekten beauftragt, in Murnau ein geeignetes Objekt zu suchen. Hornig fand ein von Emanuel von Seidl gebautes Anwesen, bei dem es sich um das im Jahre 1900 erbaute Schloß Seeleiten am Ostufer des Staffelsees handelte. Diese Niederlassung kam aber offensichtlich nicht zustande. 1907 müssen Werefkin und Jawlensky wiederum in Murnau gewesen sein, wie Skizzen und Gemälde Werefkins belegen.
Während sich zu der vergleichsweise großen Zahl von Werken ihrer Künstlerfreunde deutlich weniger bekannte Gemälde Werefkins unmittelbar auf diese ersten Aufenthalte in Murnau beziehen lassen, sprechen eine Reihe von Skizzenbüchern von den frischen Eindrücken, die sie hier seit 1907 erfuhr.
So beschreibt sie in flächigen, kraftvollen, konturierten Formen die Bergmassive des Wettersteingebirges und der Vorberge - Jochberg und Heimgarten, Hörnle und Aufacker -, typische Häuser Murnaus und die charakteristischen beiden Großbauten des Ortes, das Schloß und die Pfarrkirche (die in den folgenden Jahren in den Werken Kandinskys und Münters eine große Rolle spielen werden) und die nahegelegenen Dörfer sowie das ländliche Umfeld. In diesen Entwürfen spiegelt sich der ländlich-kleinstädtische Charakter des Ortes, vermischt mit einer gerade im Sommer auch herrschenden elegant-lockeren Atmosphäre, wie sie die zahlreichen „Sommerfrischler“ einbrachten.

(Text: Brigitte Salmen)

Weiterführende Infos zum Thema finden Sie unter den folgenden Punkten: