Loisach

© Paul Wurster

Blaues Band

Mit Murnau verbindet man in der Regel das Naturschutzgebiet Murnauer Moos und die drei warmen Badeseen: Staffelsee, Riegsee und Froschhauser See. Weniger bekannt ist, dass sich im Süden die Loisach durch Murnau schlängelt. Und dabei bietet dieser Gebirgsfluss, der seinen Ursprung im nahen Tirol hat, eine traumhafte Landschaft und eine Fülle an Abwechslung: Stromschnellen für alle Wagemutigen, seichte Buchten für Sommerfrischler, Rad- und Wanderwege für Sportliche.

Früher waren es die Flößer, die auf der Loisach Baumstämme aus den Bergwäldern des Werdenfelser Landes transportierten. Heute bevölkern sie Kanus, Kajaks und Schlauchboote. Vor allem zwischen Griesen und Garmisch-Partenkirchen befindet sich das Wildwasser-Eldorado. Nach Eschenlohe fließt die Loisach dagegen ruhig dahin und eignet sich daher hervorragend zum Rafting oder Angeln. Aber auch Tagesausflügler und Sommerfrischler kommen – entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad – auf ihre Kosten.

Von Tirol nach Bayern

114 Kilometer legt die Loisach zurück, ehe sie nördlich von Wolfratshausen in die Isar mündet. Ihren Ursprung hat sie in Österreich, in der Tiroler Gemeinde Biberwier. Sie befindet sich nördlich des Fernpasses, zwischen den Lechtaler Alpen und dem Mieminger Gebirge. Von dort fließt der Fluss nordwärts durch das Ehrwalder Becken, entlang der Bundesstraße Richtung Griesen, dem deutsch-österreichischen Grenzübergang. In Bayern bahnt sich die Loisach ihren Weg, zunächst an Grainau vorbei, bis nach Garmisch Partenkirchen. Dort speist sie die Partnach, einen weiteren Gebirgsfluss, und verläuft anschließend zwischen den Ammergauer Alpen im Westen und dem Estergebirge im Osten gen Norden.

Sie passiert die Orte Farchant, Oberau, Eschenlohe und Ohlstadt, bevor sie Murnau am Staffelsee erreicht. Vorbei am Ortsteil Hechendorf nimmt die Loisach Kurs auf Großweil. Dort macht sie einen Knick in Richtung Südosten und fließt bei Schlehdorf, nördlich des Herzogstands, in den Kochelsee. An seinem nördlichen Ufer verlässt das Gebirgswasser das Binnengewässer und setzt seinen Weg nach Benediktbeuern und Penzberg fort, wo es schließlich die Nordausläufer der Bayerischen Alpen verlässt. Nach Eurasburg, nördlich von Wolfratshausen, in der Pupplinger Au mündet die Loisach schließlich in die Isar.

Vor der Eiszeit hatte die Loisach einen anderen Verlauf. Grund für die Richtungsänderung war ein riesiger Felssturz. Wissenschaftler errechneten, dass vom Loreakopf, dem Ostpfeiler der Lechtaler Alpen, eine Unmenge an Gestein herabgebrochen war und die Talung am Fernpass verschüttete. Zuvor, gegen Ende des Tertiärs, hatte es noch keine natürliche Verbindung zwischen dem Lermoos-Ehrwalder-Becken und dem Garmischer Tal gegeben. Der damals zusammenhängende Höhenrücken zwischen Törlen und Daniel war die Wasserscheide. Die Loisach war in entgegengesetzter Richtung geflossen, in Richtung Gurgltal zum Inn. Als der Bergsturz den Weg versperrte, staute sich der Fluss zu einem großen See. An dieser Stelle ist heute ein Sumpfgebiet zu finden. Während des Baues der Ehrwalder Bahn fand man bei Lermoos abgelagerte Seekreide. Ein Indiz für den durch den Felssturz aufgestauten See. An der niedrigsten Stelle, zwischen Törlen und Daniel, lief schließlich das Binnengewässer über. Die Loisach grub sich tiefer und tiefer. Der Lermooser See verschwand.

Durch tosende Wasser

Die Loisach war nicht immer nur ein Teil einer zauberhaften Landschaft. Sie war eine wichtige Wasserstraße und zentrale Verbindung zwischen dem Werdenfelser Land und der bayerischen Landeshauptstadt. Denn der Transport schwerer Materialien und Produkte auf dem Landweg sowie auf längeren Strecken war damals kaum denkbar. Und so hatte der Gebirgsfluss seit dem frühen Mittelalter einen hohen Stellenwert beim Austausch und Handel von Waren.

Vor allem Baumstämme mit einer Länge von zwölf bis 18 Metern aus den waldreichen Gegenden um Ettal und Linderhof wurden die Loisach hinab geschickt. Mit eisernen Schnallen zu Flößen zusammengebunden und am Heck mit einem hölzernen Stangenruder versehen ging es in Richtung Wolfratshausen. Sie wurden von zwei oder drei kräftigen Männern geführt und glitten mit einer Geschwindigkeit von etwa zehn bis zwölf Kilometern pro Stunde flussabwärts.

Im Jahre 1785 fuhren monatlich etwa 300 Floße, jedes aus einem Dutzend Fichtenstämmen zusammengesetzt, die Loisach hinunter. Sie beförderten rund 1.500 Ster Buchenholz, 100 Ster Fichtenholz und 600.000 Scharschindeln. Darüber hinaus wurden Fische aus den Berggewässern, Gips aus Oberau, Glaswaren aus Murnau und Umgebung, Kreide, Kalk, Tegel und Nagelsteinquader aus dem Werdenfelser Land, Braunkohle und Bruchsteine aus Großweil, Schleif- und Wetzsteine aus Schlehdorf und Großweil sowie Vieh, Schmalz und Käse aus dem Oberland transportiert. Aber nicht nur Waren wurden die Loisach hinunter geschickt: Auf behördliche Anordnung wurden regelmäßige Marktfuhren auf sog. Ordinari-Flößen nach München eingeführt, die Güter und Reisende beförderten. Je nach Wasserführung dauerte die Fahrt von Großweil bis München etwa sechs bis acht Stunden.

In den Sommermonaten, zwischen April und September, entwickelte sich so ein eigener Berufsstand: der des Flößers. Die schwere körperliche und gefährliche Arbeit war zunächst nur als Hausgewerbe von Bauern, Bäckern, Metzgern, Schustern oder Schneidern verrichtet. Doch schon bald wurden Floßmeistereien eingerichtet, auch im Murnauer Ortsteil Hechendorf. Von dort aus flößten sie zwischen Oberau und Schönmühl bei Wolfratshausen. „Mia Flößer san lustige Leit" – so sangen in den neunziger Jahren noch um die Jahrhundertwende die Hechendorfer Flößer. Durch die Stromschnellen am Großweiler Wehr, an Sandbänken vorbei bis zum Kochelsee, wo das Floß meist ruhig auf dem Wasser dahin glitt. Trotz dieser Schwierigkeiten waren die Hechendorfer stolz auf ihr sommerliches Flößerleben, das sie nicht allzu sesshaft werden ließ. Das ungebundene Leben, ständig unterwegs zu sein, war für viele der jungen Burschen ein Zuckerl. Doch der lange Rückweg ließ so manchen auf schräge Ideen kommen: Ein Hechendorfer Flößer hatte sich ein Fahrrad gekauft, das ihn nach getaner Arbeit schnell und ohne wund gelaufene Füße nach Hause bringen sollte. Bei der ersten Fahrt band er es auf das Floß. Doch das Rad fiel prompt beim ersten Gewitter und starken Wellengang ins Wasser und verschwand in den Fluten.

In Schönmühl bei Wolfratshausen war dann meist für die Hechendorfer Flößer die Fahrt zu Ende. Denn auf der Isar übernahmen die Isarflößer die Flöße und ihre Fracht. So hängten sich die Hechendorfer die hohen Stiefel über die Schulter und wanderten über Penzberg heimwärts Richtung Murnau. Dort gab es meist eine deftige Brotzeit am Ähndl oder dem Gasthaus Heimgarten in Hechendorf. Es war ein guter Nebenerwerb in den Sommermonaten. Der Warenaustausch zwischen dem Werdenfelser Land und der Landeshauptstadt florierte. 1885 liefen in München rund 2.500 Loisachflöße ein. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie München - Garmisch-Partenkirchen ändert sich dies jedoch schlagartig, sodass 1892 der Floßverkehr auf der Loisach schließlich vollständig eingestellt wurde.

Freizeit gestalten

114 Kilometer ist der Gebirgsfluss lang. Dementsprechend bietet die Loisach ein vielfältiges Freizeitprogramm. Genießen Sie diese wunderschöne Flusslandschaft – im Wasser oder an Land. Der Spaß ist in jedem Fall vorprogrammiert.

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