Kloster Wessobrunn

© Pfarrei Wessobrunn

Unter Tassilos Linde

Prachtvoller Stuck, geformt von Johann Schmuzer, schmückt die Säle des Klosters Wessobrunn. Der Stuckator zählte zur Zeit des Barocks zu den besten seiner Zunft im süddeutschen Raum. Er gehörte der bedeutenden Wessobrunner Schule an. Wessobrunner Stuck ist nicht nur in den weltberühmten Fürsten- und Prälatentrakt sowie dem Tassilosaal des Klosters zu finden, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Gotteshäusern. Überregional bekannt wurde das Kloster schließlich durch das Wessobrunner Gebet. Das für die Missionierung der Heiden bestimmte Dokument wurde um 814 in althochdeutscher Schrift verfasst. Auch wenn der Codex wahrscheinlich im Bereich des Augsburger Bistums entstand, so war der Fundort Wessobrunn.

Legenden ranken sich auch um seine Gründungsgeschichte: Der bayerische Herzog Tassilo III. schlief bei der Jagd unter einer Linde ein und träumte von einer Himmelsleiter an einer dreigeteilten Quelle. Der Jäger Wezzo soll ihn zu dieser kreuzförmigen Quelle geführt haben. Tassilo sah darin den göttlichen Auftrag zur Errichtung des Klosters. Als wahrscheinlich gilt jedoch, dass es in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts von einer Adelsfamilie aus Rott als hauseigenes Kloster gegründet wurde. Es diente aller Wahrscheinlichkeit nach vor allem dazu, mit Hilfe der dort lebenden Mönche die umliegenden Wälder urbar zu machen.

Bis 2014 lebte in seinen Mauern eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen, bis im Juni 2014 die Schlüssel an die Naturkosmetik-Herstellerin Martina Gebhardt übergeben wurden. Die Wahl eines Käufers entschied vor allem eines: Der zukünftige Besitzer sollte die Anlage als Gesamtes erhalten, die Historie wertschätzen und die Spiritualität des Ortes nicht aufgeben – das wünschten sich die Benediktinerinnen. Gebhardts Vision: das Kloster als Raum für verschiedene Handwerksbetriebe und Manufakturen zu nutzen. Weil die Anlage für ihre Firma allein zu groß ist, könnten sich eine Schreinerei, ein Steinmetz, eine Klosterbrauerei oder eine Bio-Käserei ansiedeln. Den alten Kräutergarten will Gebhardt als ökologisch bewirtschafteten Klostergarten aufbauen und sich als Landwirtin zertifizieren lassen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, auf den die an den Klostermauern stehende Tassilolinde hinab sieht. Der etwa tausend Jahre alte Baum war wohl auch Zeuge des berühmten Traums von Herzog Tassilo.

Tassilos Traum

Der bayerische Herzog Tassilo III. „[...] bestieg das Ross, ließ das Horn erschallen und zog mit seinem Tross in den Wald, um zu jagen. Schließlich wurde er müde, stieg ab und ruhte mit seinem Knechte Wesso auf weichem Moose unter hohen Bäumen. Ihn dürstete, aber nirgends war ein Trunk Wasser zu finden. Vor Müdigkeit schlummerte er ein und sah im Traum vom Himmel herab sich eine Leiter zur Erde senken. Auf ihr stiegen Engel hernieder, schöpften aus einem Quell und tranken das reine, helle Wasser. Tassilo erwachte, noch von dem wunderbaren Gesicht verwirrt. Plötzlich hörte er es in der Nähe rauschen; aus einem Stein sprudelte das reinste Wasser hervor. Er hieß seinem Knecht Wesso einen Trunk davon bringen und sagte: ‚Wesso, du bist der Erste, der von dem Quell schöpfte; darum soll er Wessobrunn heißen.' [...] Der Trank schmeckte ihm, als wäre es der köstlichste Wein. Und an dem Orte gründete er das Kloster, das von dem Quell seinen Namen hat."

(Friedrich Lüers, Bayrische Stammeskunde)

Kontakt

Pfarramt Wessebrunn
Klosterhof 6
82405 Wessobrunn

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E-Mail: info@pfarrei-wessobrunn.de | www.pfarrei-wessobrunn.de

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