Murnau am Staffelsee

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Inhaltsbereich: Geschichte & Wappen

Geschichte

Der Markt Murnau a. Staffelsee liegt auf einem tertiären Höhenrücken über dem Staffel- und Riegsee, dem großen Eschenloher und dem Murnauer Moos. Im Süden bedeckte während der letzten Eiszeit der Loisachgletscher die Landschaft.

Häufige Endungen der Ortsnamen auf „ing“ und archäologische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegen die frühe Besiedlung des Staffelseeraums. Während der römischen Kaiserzeit lief eine von Trient über Partenkirchen nach Augsburg führende Handelsstraße am Staffelsee vorbei, in dessen Nähe auch die Wegstation „Coveliacae“ lag. Diese wurde um 260 auf den Moosberg, einen Köchel mitten im Murnauer Moos, verlagert. Zahlreiche Funde belegen das Bestehen der befestigten Siedlung bis um 430.

Durch die Grabungen auf der Insel Wörth im Staffelsee (Gemeinde Seehausen) konnte die Existenz einer Eigenkirche aus dem 7. Jahrhundert nachgewiesen werden. An gleicher Stelle entstand dann eine Klosterkirche. Die Besitztümer dieses Klosters sind in dem um 800 verfassten Staffelseeinventar aufgelistet. Die baulichen Überreste der karolingerzeitlichen Klosterkirche wurden wiederverwendet und seit dem 12. Jahrhundert als Pfarrkirche genutzt. Bis zum Jahre 1743 war St.  Nikolaus in Murnau eine Filialkirche von St.  Michael auf der Wörth.

Murnau wird erstmals um 1150 in den schriftlichen Quellen erwähnt. Der Ort lag möglicherweise auf dem Boden des alten klösterlichen Maierhofs am Staffelsee und gehörte seit Beginn der schriftlichen Überlieferung zum Besitz des Augsburger Hochstifts. Im Jahre 1316 bestand Murnau aus mindestens 15 Anwesen sowie der Burg. 1332 kaufte Kaiser Ludwig der Bayer den Markt und übertrug ihn mit allen Leuten und Rechten dem von ihm gegründeten Kloster Ettal. Obwohl Murnau auf ältere Privilegien verweisen konnte und auch immer wieder auf seine Eigenständigkeit pochte, blieb Ettal bis zur Säkularisation von 1803 der Grund- und Lehensherr Murnaus. Noch im 14. Jahrhundert entstand das Landgericht Murnau, das nach der Aufhebung des Klosters Ettal ebenfalls aufgelöst und zu großen Teilen dem Gericht Weilheim zugeschlagen wurde. Der Ettalische Landrichter bzw.  Pfleger, Herr über Leben und Tod im Markt und auf dem umliegenden flachen Land, wohnte im Schloss, das zwar erst 1324 urkundlich erwähnt wird, aber schon vorher als herrschaftliche Burg bestand.

Von Anfang an war Murnau ein reiner Straßenmarkt an der wirtschaftlich und militärisch wichtigen Rottstraße zwischen Weilheim und Mittenwald. Die Verleihung von Marktprivilegien erfolgte vor 1329 durch Ludwig den Bayern. Als einziger Marktort im Gebiet des Klostergerichts Ettal bildete Murnau den wirtschaftlichen Mittelpunkt. Seit 1722 wurden jährlich vier Jahrmärkte abgehalten. Die Bürger lebten von Fernlast- und Personenverkehr, vom lokalen Handel und von geringer Landwirtschaft. Im 18. und 19. Jahrhundert spielten die Hinterglasmalerei und die Federblumenherstellung eine wichtige Rolle als Hausindustrie. Häufig vom Hersteller auch selbst vertrieben, gelangten Murnauer Hinterglasbilder und Federblumen weit über Bayerns Grenzen hinaus. Die Ackerbürger nützten die ergiebige Streu des Mooses für das eigene Vieh, das den Lebensunterhalt sicherte. Spätestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Moosanteile der Gemeinde alle zehn Jahre verlost - 1971 zum letzten Mal.

Wie alle altbayerischen Märkte blieb auch Murnau von kriegerischen Einfällen, Pestzügen und Feuersbrünsten nicht verschont. Zwischen 1619 und 1851 brannte der Markt insgesamt viermal fast vollständig ab. Im Dreißigjährigen Krieg fielen wiederholt schwedische und französische Truppen, im Spanischen Erbfolgekrieg die Tiroler ein. Wie viele Opfer 1634 die Pest forderte, ist nicht bekannt. Zusammen mit den Kriegseinwirkungen gehört diese Zeit jedoch zu den schrecklichsten Jahren in der Murnauer Geschichte.

Der Verlust des Landgerichts und die Auswirkungen der napoleonischen Kriege stürzten Murnau nach 1800 in eine wirtschaftliche Krise, die bis in die zweite Jahrhunderthälfte anhielt. Erst als Murnau seit der Mitte des 19. Jahrhunderts für den Fremdenverkehr entdeckt wurde und 1879 der Anschluss an das Eisenbahnnetz neue wirtschaftliche Wege wies, ging es wieder aufwärts. Murnau entwickelte sich zu einem beliebten Sommerfrische- und Kurort, der nun auch sein äußeres Erscheinungsbild änderte. Der 1868 gegründete Verschönerungsverein legte Alleen und Spazierwege an und erweiterte das Strandbad. Um die Jahrhundertwende entstanden rund um den alten Marktkern die ersten herrschaftlichen Villen. Einige trugen die Handschrift des Architekten Emanuel von Seidl, der in seinem Landhaus (abgebrochen 1972) mit ausgedehnter Parkanlage viele illustre Gäste empfing. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts regte Seidl eine Ortsverschönerung an, die dem Markt durch farbenfrohe Fassadengestaltung ein freundliches Aussehen verlieh.

Kunstgeschichte schrieb Murnau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich hier ein Kreis junger Künstler zusammenfand, der mit den herkömmlichen Darstellungen brach und zu einer revolutionären Erneuerung durchstieß. Gabriele Münter kaufte 1909 das im Volksmund bald so genannte „Russen-Haus“ (Architekt Ernst Hegemann) in der Kottmüllerallee und zog mit Wassily Kandinsky nach Murnau. Hier wurde der Gedankenaustausch mit Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky und Heinrich Campendonk verstärkt fortgesetzt. In fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen Kandinsky und Marc entstand der Almanach „Der Blaue Reiter“, der ihre Kunstauffassung auch theoretisch untermauerte.
Literarische Inspiration bedeutete Murnau in den 1920er Jahren für den Schriftsteller Ödön von Horváth, der 1933 nach einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten den Ort verließ.

In den 1930er Jahren erfolgte die Errichtung von zwei Kasernen. Die heutige Werdenfelser Kaserne diente von 1939 bis zum Kriegsende als Kriegsgefangenenlager (Oflag VII A ) für über 5.000 polnische Offiziere. Trotz vieler Gefallener in beiden Weltkriegen, Inflation, Weltwirtschaftskrise und mühsamem Wiederbeginn nach 1945 wuchs Murnau kontinuierlich an. Rege Bautätigkeit prägte die sechziger und siebziger Jahre. Kurz hintereinander entstanden eine Kläranlage, die Neubauten des Gymnasiums und der Hauptschule, das Kurgästehaus (2002 in Kultur- und Tagungszentrum umbenannt) und der Bauhof mit Feuerwehrhaus und Gemeindewerken. Seit 1972 ist der Markt über die Anschlussstelle Murnau/Kochel an das Autobahnnetz angeschlossen.

Die Landkreisgebietsreform trennte Murnau 1972 von Weilheim und ordnete es Garmisch-Partenkirchen zu. 1974 bzw.  1978 folgten die Eingemeindungen von Weindorf und Hechendorf sowie jene Grenzbereinigungen mit Seehausen, die Murnau erstmals Anteil am Ufer des Staffelsees einbrachten. Heute hat Murnau über 12.000 Einwohner, rund achtmal soviel wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die alte Bindung mit dem Kloster Ettal gewaltsam gelöst und der Markt eine Gemeinde modernen Zuschnitts wurde. Nun gilt es das Erbe der Vergangenheit zu sichern, das Bestehende zu wahren und Neues behutsam aufzubauen. Die Auflösung der Kemmel-Kaserne 1995 und die Inbetriebnahme der Entlastungsstraße 1998 brachten neue Aspekte der Ortsplanung und Gewerbeansiedlung. Durch den Bau einer Tiefgarage am Kurpark und die Anlage einer Fußgängerzone ging der Markt Murnau gut gerüstet in das dritte Jahrtausend. Ausgebaut wurden in den letzten Jahren auch die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Nach dem Kauf des Geländes der ehemaligen Kemmel-Kaserne durch den Markt Murnau im Jahre 2002 steht eine an der Gesamtstruktur des Ortes orientierte Umnutzung vor der Realisierung.

Text: Dr.  Marion Hruschka (2006)

Weiterführende Infos zum Thema finden Sie unter den folgenden Punkten:

– Bürgerservice & Rathaus –

Zeittafel »

... erstmals urkundlich erwähnt um 1150 ... bis heute

– Bürgerservice & Rathaus –

Wappen Murnau

Das Murnauer Wappen »

... ein linkshin gewendeter, widerschauender grüner Lindwurm auf Silbergrund mit roter Zunge und Klauen ...