Gemeindeportrait

© Florian Werner

Basisdaten

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Garmisch-Partenkirchen

Höhe: 688 m. ü. NHN
Fläche: 38,05 km2
Einwohner: 11.652 (Stand: Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte: 306 Einwohner je km2

Postleitzahl: 82418
Vorwahl: +49 (0)8841

Murnau a. Staffelsee historisch: Marktgeschichte im Überblick

Murnau wird erstmals um 1150 in schriftlich erwähnt. Die Wiege des Ortes lag möglicherweise auf dem Boden des alten klösterlichen Maierhofs am Staffelsee und gehörte seit Beginn der schriftlichen Überlieferung zum Besitz des Augsburger Hochstifts. 1316 bestand Murnau a. Staffelsee aus mindestens 15 Anwesen sowie der noch bis heute erhaltenen Burg. Kaiser Ludwig der Bayer kaufte 1332 den Markt und übertrug ihn mit all seinen Einwohnern und Rechten dem von ihm gegründeten Kloster Ettal. So wohnte Ettals Landrichter bzw. -pfleger – Herr über Leben und Tod – im Schloss des Marktes. Obwohl Murnau auf ältere Privilegien verweisen konnte und auch immer wieder auf seine Eigenständigkeit pochte, blieb Ettal bis zur Säkularisation (1803) Grund- und Lehensherr Murnaus. Das im 14. Jahrhundert gegründete Landgericht wurde nach Aufhebung des Kloster Ettals ebenfalls aufgelöst und zu großen Teilen dem Gericht Weilheim zugeteilt.

Von Beginn an war Murnau a. Staffelsee ein Straßenmarkt, ökonomisch und strategisch gut an der Rottstraße zwischen Weilheim und Mittenwald gelegen. Die Verleihung von Marktprivilegien erfolgte so 1329 durch Ludwig den Bayern. Und damit bildete Murnau als einziger Marktort im Gebiet des Klostergerichts Ettal das wirtschaftliche Zentrum. Jährlich fanden mit 1722 vier Jahrmärkte statt. Die Menschen lebten von Fern- und Personenverkehr, von lokalem Handel und geringer Landwirtschaft. Die Hinterglasmalerei sowie die Federblumenherstellung waren zentrale Industriezweige der Region. Bekannt wurden ihre Künstler auch über die regionalen Grenzen hinaus.

Wie alle altbayerischen Märkte blieb auch Murnau von Kriegen, Pest und Feuersbrünsten nicht verschont: Zwischen 1619 und 1851 brannte die Gemeinde viermal nahezu vollständig nieder. Im Dreißigjährigen Krieg fielen wiederholt schwedische und französische Truppen, im Spanischen Erbfolgekrieg Regimente aus Tirol ein. Und auch die Pest forderte zahlreiche Todesopfer. Damit zählt diese Periode zu den schrecklichsten der Marktgeschichte.

Der Verlust des Landgerichts und die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege stürzten Murnau nach 1800 in eine wirtschaftliche Krise, die bis in die zweite Hälfte desselben Jahrhunderts andauern sollte. Erst als die Gemeinde Mitte des 19. Jahrhunderts als touristische Destination entdeckt und 1879 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Murnau entwickelte sich zu einem beliebten Sommerfrische- und Kurort, der auch sein äußeres Erscheinungsbild an die Bedürfnisse seiner Gäste anglich: Alleen und Spazierwege wurden angelegt, ein Strandbad eingerichtet und Villen erbaut. Insbesondere der Münchener Architekt Emanuel von Seidl hinterließ dabei seine Handschrift: farbenfrohe Fassaden im Ortskern, zahlreiche herrschaftliche Landhäuser und eine weitläufige Parkanlage mit Blick auf das Murnauer Moos und die Voralpen.

Kunstgeschichte schrieb Murnau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich ein Kreis junger Künstlerinnen und Künstler zusammenfand: Sie brachen mit den herkömmlichen Darstellungen und revolutionierten die Kunst. Franz Marc, August Macke, Heinrich Campendonk, Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky besuchten Gabriele Münter und Wassily Kandinsky regelmäßig im sog. Russenhaus, in der Kottmüllerallee. Ihr reger Gedankenaustausch fruchtete in ihrer künstlerischen Zusammenarbeit. Kandinsky veröffentlichte 1911 seine theoretischen Schriften „Über das Geistige in der Kunst, und gemeinsam mit Marc 1912 den Almanach „Der Blaue Reiter".

Literarische Inspiration fand in den 1920er Jahren Ödön von Horváth in Murnau, der 1933 den Ort auf Geheiß der Nationalsozialisten verließ. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurden zwei Kasernen errichtet. Die heutige Werdenfels Kaserne diente von 1939 bis Kriegsende als Gefangenenlanger für mehr als 5.000 polnische Offiziere. Trotz dieser humanitären Katastrophe, der darauffolgenden Inflation und Weltwirtschaftskrise kam es nach 1945 allmählich zu einem wirtschaftlichen Aufschwung: In Murnau wurde gebaut. Es entstanden zahlreiche Neubauten, Schulgebäude, ein Kurgästehaus, ein Feuerwehrhaus sowie eine Kläranlage. 1972 löste sich Murnau von Weilheim und wurde Garmisch-Partenkirchen zugeordnet und erhielt eine Anschlussstelle an das Autobahnnetz. In den darauffolgenden Jahren folgten die Eingemeindungen von Weindorf und Hechendorf sowie die Grenzbereinigung mit Seehausen, die Murnau erstmals Grund am Ufer des Staffelsees zusprach.

1995 wurde die Kemmel-Kaserne aufgelöst und ist heute als sog. Kemmel-Park ein attraktives Gewerbegebiet. Seit 1998 verläuft der Verkehr mit Hilfe einer Entlastungsstraße fernab der denkmalgeschützten Fußgängerzone. Das Bahnhofsgebäude wurde saniert und der Bau einer neuen Realschule realisiert. Heute besitzt Murnau rund 11.000 Einwohner, etwa achtmal so viele wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Bindung mit dem Kloster Ettal gewaltsam gelöst wurde. Nun gilt es das Erbe der Vergangenheit zu bewahren, Bestehendes zu pflegen und Neues zu gestalten.

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MURNAU A. STAFFELSEE

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