Murnau am Staffelsee

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Inhaltsbereich: Alexej Jawlensky

Jawlensky
Bildbeschreibung: Jawlensky

1864
Am 13. (Julianischer Kalender), bzw. 26. März (Gregorianischer Kalender):
wird Alexej Jawlensky in Torschok geboren.

1882
Jawlensky schlägt die Militärlaufbahn ein und besucht in Moskau die Kadettenschule.

1889
Jawlensky läßt sich als Offizier nach St. Petersburg versetzen. Im September besteht er die Aufnahmeprüfung an der Akademie.

1891
Jawlensky zeichnet an der Akademie "Figuren nach Gips".

1892
Beginn der Freundschaft zwischen Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky, den sie als anerkannte und erfolgreiche Malerin - sie hatte den Beinamen "Russischer Rembrandt" - zu bilden und fördern beschließt. Im September hält sich Jawlensky zwei Wochen mit W. W. Mathé auf Repins Gut Sdrawnowo auf, wo er sich mit "Landschaftsstudien" beschäftigt.

1893
Werefkin und Jawlensky arbeiten im Oktober in Repins Atelier, während dieser im Ausland ist.

1896
Jawlensky nimmt wegen körperlicher Behinderungen seinen Abschied vom Militär. Ihm wird die Pensionärsrente als Oberst zugesprochen. Werefkin zieht mit Jawlensky und dem neunjährigen Dienstmädchen Helene Nesnakomoff nach München. Sie unterbricht ihre Malerei zugunsten der künstlerischen Ausbildung von Jawlensky für nahezu ein Jahrzehnt.

1897
Mit Marianne von Werefkin, Grabar, Ažbe und Kardowsky und weiteren Künstlerfreunden unternimmt Jawlensky eine Reise nach Venedig.

1902
Andreas, der Sohn von Jawlensky und Helene, wird in Anspaki/Rußland geboren.

1903
Studienreise mit Marianne von Werefkin nach Frankreich. Jawlensky malt anschließend im Stil der Neoimpressionisten und van Goghs.

1906
Knapp einjähriger Aufenthalt mit Marianne von Werefkin in Frankreich.

1908
Jawlensky wechselt nun auch seinen Malstil vom Neoimpressionismus zur Flächenmalerei. Gemeinsamer Malaufenthalt mit Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in Murnau, der zu einem entscheidenden Durchbruch expressiver Malerei führt. In Werefkins Salon wird - zunächst ohne Kandinsky und Münter - geplant, einen Verein als Ausstellungs- und programmatisches Forum zu gründen.

1909
Jawlensky sieht sich nicht in der Lage, den Vorsitz einer Künstlervereinigung zu übernehmen. Daraufhin wird Kandinsky gebeten, die "Neue Künstlervereinigung München" (NKVM) zu organisieren und zu leiten. Am 22. März erfolgt die Eintragung der NKVM ins Münchner Vereinsregister.

Werefkin und Jawlensky entdecken die Kunst der Japaner und sammeln japanische Holzschnitte, die deutlichen Einfluß auf beider künstlerisches Schaffen ausüben.

1910
Besuch von Elisabeth und August Macke bei Werefkin und Jawlensky Mitte November.

1911
Aufenthalt mit Marianne von Werefkin im Sommer in Prerow, Ahrenshoop und Zingst an der Ostsee. Oktober: zweiter Besuch von Elisabeth und August Macke bei Werefkin und Jawlensky. Am Ende des Jahres reist Werefkin mit Jawlensky nach Paris, wo sie das erste Mal Matisse besuchen. Am 3. Dezember verlassen Kandinsky, Münter und Marc die NKVM und bilden die Redaktion "Der Blaue Reiter", die den gleichnamigen Almanach herausgibt und vom 18.12.1911 - 1.1. 1912 eine erste eigene Ausstellung präsentiert.

1912
Anfang Dezember verlassen Werefkin und Jawlensky ebenfalls die NKVM und beteiligen sich an der Ausstellung "Der Blaue Reiter" in der Galerie "Sturm" in Berlin, die von Herwarth Walden organisiert wird. 21.07.1912: Franz Marc will Werefkin und Jawlensky in die "bl. Reiter-Collektion" aufgenommen wissen.

1913
Marianne von Werefkin beabsichtigt die endgültige Trennung von Jawlensky und reist nach Rußland.

1914
Im Juni besucht Jawlensky Werefkin in Litauen. Er kehrt ohne sie nach München zurück.
Ende Juli kehrt auch Werefkin nach Deutschland zurück, möglicherweise um ihren Haushalt aufzulösen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs emigrieren Werefkin und Jawlensky von München aus mit dem Dienstpersonal Maria und Helene Nesnakomoff und Andreas in die Schweiz. Zunächst wohnen sie in St. Prex bei Genf. Vor Ende des Jahres bringt Cuno Amiet aus München das Gemälde "Straße in Auvers (Das Haus des Père Pilon)" von van Gogh, das gemeinsamer Besitz von Werefkin und Jawlensky ist, in die Schweiz.
Jawlensky beginnt die Serie seiner "Variationen auf ein landschaftliches Thema".
Als Folge des Krieges wird Werefkins Pension um die Hälfte gekürzt.

1916
Jawlensky lernt Emmy Scheyer, eine wohlhabende junge Malerin, kennen.

1917
Werefkin und Jawlensky sind den April über in Lugano, um Sacharoff bei der Inszenierung seiner Tänze zu unterstützen.
September/Oktober: Umzug nach Zürich. Jawlensky beginnt die Serien seiner "Mystischen Köpfe" und "Heilandsgesichte".

1918
März/April: Umzug nach Ascona am Lago Maggiore

1920
Mai/Juli: Auflösung der gemeinsamen Wohnung in München.
August: Jawlensky läßt in Berlin bei Gurlitt erste Reproduktionslithographien herstellen.

1921
Jawlensky schickt neben Gemälden und Zeichnungen 45 Aquarelle für eine Ausstellung nach Wiesbaden. 9. Juni: durch Vermittlung von Emmy Scheyer lernt Jawlensky in Wiesbaden den Kunstsammler Heinrich Kirchhoff kennen und entschließt sich, in Wiesbaden zu bleiben.

1922
März: Werefkin, Helene und Andreas leben in Ascona.
Jawlensky läßt sich in Wiesbaden nieder und informiert Werefkin darüber brieflich. Helene und Andreas kommen nach Wiesbaden.
20. Juli: Jawlensky heiratet Helene in Wiesbaden.
Jawlensky intensiviert die Ölmalerei seiner Serien der "Konstruktiven Köpfe". Er lehnt einen Ruf ans Bauhaus ab, da Kunst nicht lehrbar sei. Der Nassauische Kunstverein gibt eine Mappe mit sechs "Umdruck-Lithographien" heraus.

1923
nach April: fertigt Jawlensky erstmals Radierungen (acht sind nachweisbar)

1924
Am 31. März gründet Jawlensky zusammen mit Feininger, Kandinsky, Klee und Scheyer "Die Blaue Vier".

1925
Das Bild "Straße in Auvers (Das Haus des Père Pilon)" von Vincent van Gogh wird am 26. Februar verkauft.

1927
Jawlensky lernt Lisa Kümmel und Hanna Bekker vom Rath kennen. Bei ihm zeigen sich erste Anzeichen der Krankheit Arthritis deformans, die ihn zu einem Kuraufenthalt in Bad Wörishofen zwingen.

1929
Juni/Juli: Hanna Bekker vom Rath gründet die "Vereinigung der Freunde der Kunst Alexej von Jawlenskys".

1933
Jawlensky erhält Mal- und Ausstellungsverbot.

1934
17. April: Jawlensky hat bereits die ersten 50 "Meditationen" gemalt.

1935
23. Februar: Jawlensky hat bereits mehr als 400 "Meditationen" gemalt. Oktober: Jawlensky beauftragt Karl Im Obersteg um Kontaktaufnahme mit Werefkin.

1936
Sommer: Karl Im Obersteg bittet bei einem Aufenthalt in Ascona Werefkin, Jawlensky zu verzeihen, daß er seinen Eid, sie nie zu verlassen, gebrochen hat. Werefkin löst Jawlensky von dem Eid, indem sie ihm mitteilen läßt, sie werde für ihn beten.

1937
Jawlensky malt im Dezember seine letzten "Meditationen".

1941
Am 15. März stirbt Jawlensky in Wiesbaden und wird auf dem dortigen Russischen Friedhof begraben.

Text zum Lebenslauf
Den Sommer 1908 verbringt Alexej Jawlensky zusammen mit Marianne von Werefkin, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau, wo er hauptsächlich Landschaften malte. Angeregt durch die Gespräche im „Salon“ Marianne von Werefkins und dem Murnauer Malaufenthalt gründeten sie zusammen mit Kandinsky 1909 die „Neue Künstlervereinigung München“. Mit Werken wie „Dame mit Fächer“ oder „Die weiße Feder“ erreicht Jawlensky einen ersten Höhepunkt in seinem Schaffen. Diese u. a. Gemälde aus der Zeit um 1910 zeigen sich stark beeinflußt durch die symbolträchtige Farbigkeit Gauguins, die Formenkraft Cézannes und den kraftvollen Ausdruck van Goghs.
Im Jahr 1911 vollzog sich eine erste Veränderung in seinem Schaffen. Er schreibt in seinen Lebenserinnerungen: „Im Frühling fuhren wir nach der Ostsee nach Prerow, Werefkin, André, Helene und ich. Dieser Sommer bedeutete eine große Entwicklung in meiner Kunst. Ich malte dort meine besten Landschaften und große figurale Arbeiten, in sehr starken, glühenden Farben, absolut nicht naturalistisch und stofflich.[...] Die Farben waren sehr stark konturiert mit Preußischblau und gewaltig aus einer inneren Ekstase heraus[...] Dies war die Wendung in meiner Kunst. Und bis 1914, gerade vor dem Krieg, habe ich in diesen Jahren meine stärkste Arbeiten, die unter dem namen „Vorkriegsarbeiten“ bekannt sind, gemalt.“

Weiterführende Infos zum Thema finden Sie unter den folgenden Punkten: