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14. Januar 2018
Dr. Marion Hruschka ist als Leiterin des Archivs Bewahrerin des Murnauer Gedächtnisses. © Anita Barry

Ein Archiv ist kein Museum

Seit Jahrhunderten wird alles dokumentiert und sorgfältig aufbewahrt. Ältestes Schriftstück: eine Urkunde aus dem Jahr 1350. Das Marktarchiv ist so etwas wie Murnaus Gedächtnis, das nie vergisst. Deshalb besuchen Dr. Marion Hruschka Menschen auf der Suche nach Vergessenem. Wie ihr Alltag aussieht und was sie begeistert, verrät sie uns im Interview.

Seit wann leiten Sie das Marktarchiv? Und wie sind Sie darauf gekommen, Archivarin zu werden? Es ist doch ein eher außergewöhnlicher Beruf.

Während des Studiums recherchierte ich für die Magister- und Doktorarbeit sehr intensiv in Archiven. Das hat mich begeistert. So ging ein Traum in Erfüllung, als ich als Nachfolgerin von Dr. Wolfgang Pledl, dem ersten hauptamtlichen Leiter, das Archiv übernahm: am 1. Dezember 1991.

Wie viele Mitarbeiter*innen haben Sie? Und wie sind Ihre Aufgaben verteilt?

Im Archiv unterstützt mich Sieglinde Birke bei allen Aufgaben und recherchiert viele Anfragen. Und Maria Eckl ist für die Hauptregistratur im Rathaus verantwortlich. Eine gut geordnete Registratur ist ein zentraler Aspekt, damit eine Verwaltung effizient arbeiten kann.

Was ist das Spannende an Ihrer Tätigkeit? Was die Herausforderungen?

Das Spannende: Ich beschäftige mich mit der ganzen Bandbreite der Murnauer Geschichte. Manche Fragestellungen sind knifflig, aber lösbar. Ich bin so etwas wie eine Dektektivin, könnte man sagen. Dabei freue ich mich, Kolleg*innen aus der Verwaltung und Bürger*innen weiterzuhelfen. Große Herausforderungen waren: die Murnauer Ortschronik (2002) mit Beiträgen von 26 Autor*innen und die Oberbayerischen Kultur- und Jugendkulturtage 2007, die ich mitorganisiert habe.

Das Wort Archiv klingt ja ein wenig verstaubt. Was ist das Moderne am Alten?

Archiv ist ja ein feststehender Begriff. Ob er verstaubt klingt, hängt davon ab, welche Vorstellungen man von Archivarbeit hat. Deswegen ist es mir wichtig, die Jugend anzusprechen. Beispielsweise besteht eine tolle Kooperation mit dem Staffelsee-Gymnasium. Dabei führe ich regelmäßig Kurse durch das Archiv und gebe Tipps für die Recherche. Und auch wir nutzen die neuen Medien. Aktuell haben wir umfangreiche Zeitzeugen-Interviews zur Murnauer Geschichte digitalisiert. So sollen diese künftig leichter zu nutzen sein. Und darf ein Archiv nicht tatsächlich etwas verstaubt sein ...?

Wie umfangreich sind die Bestände des Marktarchivs? Und was kann man darin finden?

Es zählt zu den kleineren Kommunalarchiven und verwahrt die schriftliche Überlieferung des Marktes, einschließlich von Weindorf und Hechendorf. Im Bestand gibt es auch kleinere Nachlässe und Schenkungen. Darunter ist beispielsweise ein Teilnachlass der Murnauer Ehrenbürgerin Dr. Ingeborg Haeckel mit einer umfangreichen Spezialbibliothek zu Themen wie Fauna und Flora. Und Vereine nutzen auch die Möglichkeit, ihre Unterlagen im Archiv aufzubewahren und zu sichern.

Viele, vor allem größere Städte haben ihre Archivbestände online gestellt, zahlreiche kleinere Städte zumindest eine recht detaillierte Übersicht. Wäre das auch in Murnau realisierbar?

Bestandslisten ins Internet zu stellen, ist unser mittelfristiges Ziel. Das erfordert jedoch eine gewisse Vorarbeit. Ganze Bestände online zu stellen, sehe ich als weniger sinnvoll, hat doch die Forschung an Originaldokumenten ihren eigenen Reiz.

Archive sind das Gedächtnis einer Stadt. Verloren gegangene Akten, Urkunden oder Fotos sind oft nur schwer wieder zu beschaffen. Welche Schutzmaßnahmen gibt es in Murnau?

Beim Umbau wurde das Archivgebäude entsprechend gesichert. Wir achten darauf, dass die optimalen klimatischen Bedingungen eingehalten werden. Ein großes Problem liegt im säurehaltigen Papier, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet wurde.

Derzeit forscht PD Dr. Edith Raim zu Murnaus Geschichte zwischen 1919 und den1950er Jahren. Wie arbeiten Sie zusammen? Und was erwarten Sie sich von den Forschungsergebnissen?

Dieses Projekt hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Alle vor Ort vorhandenen, einschlägigen Archivalien, Dokumente, Fotos u.ä. stelle ich Frau Dr. Raim bereit und weise sie auf interessante Zusammenhänge hin. Dabei erwarte ich mir, dass die Ergebnisse Klarheit in manche dieser Zusammenhänge bringen, die bisher etwas nebulös im Raum stehen.

Kontakt

Markt Murnau a. Staffelsee
Anita Barry, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
James-Loeb-Straße 11
82418 Murnau a. Staffelsee

Telefon: 08841 476-123
Telefax: 08841 476-289
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@murnau.de